Mittwoch, 17. Februar 2016

Mit der Lernapp zum Sprachenlernen?

Vor einiger Zeit bekam ich eine Anfrage der österreichischen Tageszeitung Der Standard (@derStandardat), ob ich für ein Interview zum Thema Sprachenlernen mit Apps bereit wäre. Eingefädelt wurde dieses Interview von Gerhard Brandhofer (@rationalekritik), der Thomas Strasser (@thomas_strasser) und mich empfohlen hatte. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke für die Empfehlung :-)

Im Zuge der Vorbereitung auf das Interview hab ich mir zahlreiche Fragen zum Sprachenlernen gestellt und bin dabei immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es keine Ja- oder Nein-Antwort geben kann. Eine gut gemachte App ist genauso gut und genauso zu empfehlen wie ein gut gemachter Podcast, ein gut gemachtes Buch, ein gut gemachter Film. Und wenn die App nichts taugt, dann ist sie genauso zu sehen, wie jedes andere Medium, das nichts taugt. Es kann nicht um das Medium gehen, sondern das Medium App liefert mir sprachlichen Input und unterschiedlicher sprachlicher Input steigert meine Lernleistung. Oder zumindest die Motivation. Abwechslungsreichtum statt Monotonie, Vielfalt statt Einheitlichkeit, alle Sinne statt kein Sinn… Die Lerner/innen sollen gefordert werden, gleichzeitig jedoch weder über- noch unterfordert. Ziel ist es, die Motivation hoch zu halten, die Lerner/innen regelmäßig mit Input zu versorgen und dabei das Sprachenlernen quasi nebenbei zu erledigen. Und zum Lernen einer Sprache gehört genauso der Austausch mit Natives dazu, wie der Besuch eines Landes, in dem die Zielsprache gesprochen wird. Eine Sprache zu lernen, bedeutet nicht nur, die Vokabeln und Strukturen zu erLERNEN und zu verstehen. Eine Sprache zu lernen, heißt, sie zu erLEBEN, ihre Kultur zu spüren, ihre Spezialitäten zu genießen. Eine Sprache zu lernen, heißt, in sie einzutauchen.

Quelle: Pixabay (CC0)
In dem Sinn kann eine App schon hilfreich sein, weil sie mir dank des Smartphones als „Kulturzugangsgerät“ (Rosa, 2014) ermöglicht, immer und überall mit Sprache in Kontakt zu kommen. Wie Jöran Muuß-Merholz (@joeranDE) 2015 richtig formuliert hat, ist unser Smartphone eine kleine (oder große) Schatztruhe mit vielen Funktionen ("Hermines Handtasche mit unaufspürbarem Ausdehnungszauber"), die über SMS, Messenger-Dienste, Telefonie und was weiß ich hinausgeht. Die Liste einiger Funktionen hat Jöran Muuß-Merholz in seinem Blogpost zusammengefasst. Sie ließe sich aber noch um einiges verlängern. Ich kann also die Sprache hören (YouTube, Radio, Musik…), ich kann sie lesen (Zeitungen, E-Books, RSS-Feeds…), ich kann sie sprechen (Skype, WhatsApp, Hangouts…). Ich kann mit Natives in Kontakt treten (Twitter…), ich kann Interessantes nachschlagen (Wikipedia, div. Wörterbücher…). Ich kann in einer Sprach-App lernen und üben und bekomme auch Feedback. Wenn ich das möchte und das meiner Art zu lernen entspricht – denn wenn ich mich gegen eine App oder Anwendung wehre, dann habe ich auch keine Motivation mit ihrer Hilfe eine Sprache zu lernen…

Quelle: Pixabay (CC0)

Hier der Link zum Standard-Artikel "Lernen mit dem Smartphone erhöht die Motivation", falls ihn jemand lesen möchte. ;-)

Dazu passend auch ein Link auf die Schul-App-Seite der TU Graz (@sociallearning), auf der Apps für Deutsch und Englisch (speziell für Kinder) zu finden sind. Und auch der Link auf einen Artikel, der sich genauer anschaut, was es mit dem Digital Natives-Mythos so auf sich hat und sich kritisch mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinandersetzt, die es zum Thema Mobile Geräte (fälschlicherweise) gibt.

Wer mobile Geräte gerne im Unterricht einsetzen will, wird vielleicht diese Ressourcen bzw. Artikel spannend finden:
[In nächster Zeit gibt's übrigens mehr zum Thema Mobile Learning, Apps und Co, da ich mich mit dem Thema auf unterschiedlichen Ebenen intensiver beschäftige.]

Dienstag, 2. Februar 2016

Ideen zum studierendenzentrierten Unterricht

Studierendenzentrierter Unterricht ist mehr als nur ein modernes Schlagwort. Es ist die grundlegende Forderung an ein Lehr- und vor allem Lernsetting, in dem die Lerner/innen im Zentrum stehen und konstruktivistisch und konnektivistisch lernen. Dabei steht nicht das Faktenwissen im Zentrum, sondern das Anwenden und Umsetzen, also das prozedurale Wissen. Kompetenzen werden entwickelt und geschärft.

Quelle: Pixabay (CC0)
Wer immer wieder - so wie ich - auf der Suche nach Methoden und Settings ist, die die Lehrperson zum Begleiter bzw. zur Begleiterin des Lernprozesses macht, wird auf der von Mia McKeenin zusammengestellten Übersicht Student Centred Instructional Methods sicherlich fündig.

[UPDATE] Markus Peißl hat in seinem Blog für eines der genannten Settings auch gleich ein Praxisbeispiel ausgearbeitet. In diesem Fall handelt es sich um das Thema "Modellieren von Funktionen", ein Beispiel aus dem Fach Mathematik.